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    Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Austausch

    Barbara

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    Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von Barbara am Di Okt 13, 2015 3:00 pm

    Hallo ihr Lieben! Mein letzter Stand ist das wir zu viert in der Gruppe sind: Barbara, Nescho, Samuel und Conny. Ist das fix?
    Ich dachte, dass wir uns hier schon einmal ein bisschen über das Seminararbeitsthema austauschen können.
    Die Themen die ich vorgeschlagen habe sind:
    - fehlende Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge (Konzept der Organisierten Desintegration)
    - Flüchtlingskinder als "halbe Kinder" (bzgl. Versorgung etc.)
    - Vom Jugendlichen zum Erwachsenen -> schwieriger Übergang für junge Flüchtlinge (Wegfall vieler Leistungen)

    Das sind nur meine Ideen, und ich möchte da niemanden einfach ein Thema aufdrängen. Also nur her mit euren Ideen Very Happy

    Vielleicht könnt ihr euch ja schon paar Gedanken machen was euch interessiert und ich dachte wir könnten das Forum vielleicht diese Woche noch nutzen um uns gegenseitig Literaturvorschläge, Texte, Ideen, Fragestellungen, Interessensgebiete schicken.

    Barbara

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    Re: Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von Barbara am Di Okt 13, 2015 3:05 pm

    Ein Thema zu dem ich auch ein paar Texte hab ist das Interview im Asylverfahren und hier ne wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fragen, Sprache, Machtverhältnis, Rolle des Referenten, Dolmetscher etc.
    Nur noch so ne Idee Very Happy

    Barbara

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    Re: Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von Barbara am Di Okt 13, 2015 3:09 pm

    Bin grad am Durchforsten meiner alten Uni-Arbeiten zum Thema und hab hier ein ganzes Kapitel über das Leben im Asylverfahren (Zusammenhang Konzept der Organisierten Desintegration). Ihr müsst euch das nicht alles durchlesen (ich weiß auch nicht mehr genau was drin steht). Aber is glaub ich ganz gut damit man sich mal einen Eindruck machen kann was ich mir unter dem einen Punkt vorgestellt hätte.

    Asylwirklichkeiten 2: Leben im Asylverfahren
    Die Versorgung und Unterbringung von AsylwerberInnen in Österreich ist seit 2004 durch die Grundversorgung geregelt. Obwohl es seitdem zu Verbesserungen der Situationen von AsylwerberInnen kam, gibt es auch innerhalb der Grundversorgung Maßnahmen und Regeln, welche die Freiheit und Selbstständigkeit der Betroffenen stark einschränkt.
    Auch Jan-Paul Brekke, zeigt am Länderbeispiel Schweden mit welchen Problemen, Hindernissen und Schwierigkeiten AsylwerberInnen konfrontiert sind während sie sich im Asylverfahren befinden. (vgl. König/Rosenberger 2010: 272f.)

    König und Rosenberger sehen sich anhand der Dimensionen der Unterkunftspolitik und dem Zugang zu Arbeit und Bildung an, inwieweit das Konzept der „organisierten Desintegration“, welches von Vicki Täubig entwickelt wurde, für die österreichische Grundversorgung anwendbar ist. Sie zeigen dabei Momente auf, welche mit den Erkenntnissen, die Brekke liefert, korrespondieren. Das für diesen Text herangezogene Kapitel seines Buches trägt den Titel „The experience of waiting“. Das Warten nimmt im Leben von AsylwerberInnen einen großen Stellenwert ein. Verbunden mit anderen Aspekten kann es für die Menschen, die damit konfrontiert sind, zu einem großen Hindernis am Weg zu einem „normalen Leben“ werden.
    Durch die Verknüpfung beider Texte, jenem vom König und Rosenberg und dem von Brekke, werde ich Probleme von AsylwerberInnen darstellen, welche sich aus den gegebenen Strukturen für ihr Leben bis zum Erhalt einer Entscheidung im Asylverfahren, ob nun positiv oder negativ, ergeben. (vgl. König/Rosenberger 2010; Brekke 2004)

    Brekke zeigt auf, dass sich das gesamte Leben von AsylwerberInnen um das Warten auf eine Entscheidung ihres Asylantrages dreht. Für das Phänomen des Wartens, sieht er drei Elemente als zentral an: Zeit, Rückkehr und Integration. Mit Zeit, ist einerseits die Zeit bis zum Erhalt des Asylbescheids gemeint, andererseits wird diese Zeit als besonders prägend und bedeutsam angesehen. Sie wird dabei als etwas subjektiv Wahrgenommenes beschrieben. Die Dauer, die man auf den Ausgang seines Verfahrens wartet, wird im Vergleich zu anderen AsylwerberInnen, mit ähnlichen Ausgangsbedingungen, bewertet. Hier kann es dazu kommen, dass jemand der später einen Asylantrag stellte vorher eine Entscheidung bekommt. Diese Tatsache wird von dem Menschen als Ungerechtigkeit empfunden. Sie spiegelt ihre Ohnmächtigkeit gegenüber der Institution und eine wahrgenommene Willkür wider. Ein anderer Aspekt der subjektiven Wahrnehmung von Zeit, ist die individuelle Erfahrung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zukunft wird aufgrund der ausstehenden Entscheidung und des unsicheren Status in dem sich die Betroffenen befinden als etwas blockiertes, nicht Erreichbares gesehen. Aufgrund dessen fällt es vielen auch schwer ihre Gegenwart zu gestalten. Brekke beschreibt es als Gefangensein zwischen Vergangenheit, welche vorbei ist, und Zukunft, welche blockiert wird. (vgl. Brekke 2004: 31ff.)

    Die Situation in der sich die AsylwerberInnen im Aufnahmeland befinden, wirkt sich oft stärker auf ihre derzeitige physische und psychische Verfassung aus, als die Erlebnisse vor der Flucht. Folgen sind u.a. Schlafstörungen, Post-Traumatischer Stress und Konzentrationsschwierigkeiten. Die ständige Zukunftsangst, aufgrund des unsicheren Status und das unbefristete Warten haben nicht nur gesundheitsgefährende Auswirkungen, sondern auch negative Effekte auf die Integration der Menschen. Diese Emotionen sind beherrschend und behindern den Prozess der Integration und der individuellen Lebensführung. (vgl. Brekke 2004: 26f.)

    Aufgrund ihrer Unterbringungssituation ergeben sich gesellschaftliche, soziale, ökonomische usw. Exklusionsmechanismen für AsylwerberInnen. Zunächst ist zu erwähnen, dass AsylwerberInnen ihren Wohnsitz nicht selbst wählen können. In Österreich zeigt sich von Bundesland zu Bundesland ein unterschiedliches Bild. Allgemein kann man jedoch sagen, dass die Unterbringung einerseits in Ballungszentren stattfindet, andererseits sehr dezentral angesiedelt ist, wenn gewerbliche Betriebe bewohnt werden. Allgemein kann man sagen, dass die Wohnqualität vom Engagement der UnterkunftsgeberInnen abhängig ist, es sich jedoch bei der Unterbringung in dezentralen, strukturschwachen Gebieten für die AsylwerberInnen zusätzliche Hindernisse und Probleme ergeben. Die soziale Teilhabe, sowie der Zugang zu Ärzten, Supermärkten, aber auch Rechtsberatung hängen wesentlich von der Lage der Unterkunft ab. (vgl. König/Rosenberger 2010: 279ff.)
    Interessant ist auch, dass die Mehrheit der AsylwerberInnen in organisierten Unterkünften wohnt. Die bessere Möglichkeit der Kontrolle von Seiten des Innenministeriums, kann als ein Motiv dafür erahnt werden. (ebd.)

    Sieht man sich den Aspekt der Kontrolle und Disziplinierung in der Grundversorgung an, lässt sich erkennen, dass durch Hausregeln und Kontrollmechanismen, die Handlungsfreiheit sowie die Privatsphäre der AsylwerberInnen stark eingeschränkt wird. Ziel von Regeln und Kontrollen ist es die Menschen zu disziplinieren, sowie einem potenziellen Missbrauch der Grundversorgungsleistungen entgegenzuwirken. (vgl. König/Rosenberger 2010: 282ff.)

    Eng mit der Unterbringung hängt auch die Art und Möglichkeit soziale Kontakte zu knüpfen zusammen, einerseits innerhalb der eigenen „ethnischen Community“, andererseits mit der Mehrheitsgesellschaft. Andere AsylwerberInnen sind wichtige Kontaktpersonen, Gleichgesinnte und Informationsquellen. Weiters nennt Brekke Lehrer als wichtige Bezugspersonen und informelle Informationsquellen, wenn AsylwerberInnen überhaupt die Möglichkeit haben Bildungsangebote zu besuchen. (vgl. Brekke 2004: 31ff.)
    Die Bedingungen in der Grundversorgung, erschweren es den AsylwerberInnen soziale Beziehungen mit Menschen aus der Mehrheitsbevölkerung aufzubauen. Die oft stigmatisierenden Unterbringungsarten, geringe ökonomische Leistungen, das Nicht-Vorhandenssein eines Integrationsauftrages, sowie der unsichere Status stellen hier für die Betroffenen oft Barrieren dar. (vgl. König/Rosenberger 2010: 289ff.)Brekke beschreibt, dass viele der Menschen, den Großteil ihres Tages alleine, mit sich selbst verbringen. Die Gedanken kreisen dabei stets um die oben beschriebenen Probleme. (vgl. Brekke 2004: 31ff.)

    König und Rosenberger zeigen in ihrer Conclusio drei Charakterstika der Grundversorgung auf, die hier wiedergegeben werden sollen. Erstens erwähnen sie die Auslagerung als organisatorisches Prinzip, welches den Trend hin zu privaten und nicht-regierungs Akteuren bei der Versorgung widerspiegelt. Zweitens, die weitläufig räumliche Unterbringung der AsylwerberInnen in organisierten Unterkünften und Drittens, Praktiken und Normen welche zu einer „organisierten Desintegration“ und Exklusion der AsylwerberInnen aus der Gesellschaft führen. (vgl. König/Rosenberger 2010: 292f.)
    Bei Punkt Drei nennen sie Symbole des Nicht-Dazugehörens, auch Brekke beschreibt dieses Phänomen am Beispiel der mangelnden Möglichkeiten von asylsuchenden SchülerInnen an Exkursionen teilzunehmen. (ebd.) Er schreibt: „It was just another reminder of their marginal position“ (Brekke 2004: 39).
    Die Maßnahmen innerhalb der Grundversorgung sind für den Fall schneller Verfahren entwickelt. Dies entspricht jedoch nicht der Realität, da viele AsylwerberInnen mehrere Monate bzw. Jahre auf eine Entscheidung warten müssen. In dieser Zeit sind sie von der Mehrheitsgesellschaft aufgrund bestehender Barrieren ausgeschlossen. Auch die Tatsache, dass es nur vereinzelnt Sprachkurse und andere Integrationsmaßnahmen für diese Menschen gibt spiegelt diese Lücke in der Politik wider. Sieht man die Grundversorgung und die restriktive Asylpolitik in Österreich jedoch als Strategie, Österreich als Asylziel von Schutzsuchenden unattraktiv zu machen, lässt sich eine gewisse Logik erkennen.
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    Re: Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von Nesho am Di Okt 27, 2015 7:46 pm

    Ein Link zur PDF-Version der Diplomarbeit die Barbara letztens dabei hatte ...
    Der positive Asylbescheid – Befreiungsschlag für Flüchtlinge? Welche Aus-/Nachwirkungen hat organisierte Desintegration im Asylverfahren auf den Werdegang von anerkannten Flüchtlingen und folglich auf die Aufnahmegesellschaft in Österreich?

    Noch einen Link zu einer anderen Diplomarbeit ...
    Die Lebenslage von Asylwerberinnen in der Grundversorgung - Belastungsfaktoren, Bewältigungsstrategien und Hilfestellungen der Sozialarbeit

    Und noch ein Link zu einer UNHCR-Studie (deutsche Kurzzusammenfassung) ...
    Fördernde und hemmende Faktoren - Integration von Flüchtlingen in Österreich

    ... und ein Link zur kompletten UNHCR-Studie (von der Gesamtstudie gibt's keine deutsche Version) ...
    Facilitators and barriers - Refugee integration in Austria

    Barbara

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    Re: Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von Barbara am Do Nov 19, 2015 8:45 am

    Hier ist noch ein Text der die Zeit im Asylverfahren aus sicht von AsylwerberInnen beschreibt.
    Ist denk ganz gut um bestimmte sachen zu verdeutlichen
    http://www.sws-rundschau.at/archiv/SWS_2012_4_Fritsche.pdf

    Barbara

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    Re: Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von Barbara am Do Nov 19, 2015 8:46 am

    http://www.zebra.or.at/images/content/files/zebratl%202012-1_ZuGrundeVersorgt.pdf

    --> das ist auch ein super link zu verschiedenen kritischen Perspektiven auf die Grundversorgung

    SamuelA

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    Re: Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von SamuelA am Fr Dez 11, 2015 2:22 pm

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    Re: Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von Nesho am Sa Dez 12, 2015 2:17 pm

    Der Link zu 2 eingescannten Büchern zum Thema Inklusion/Exklusion und Integration/Segregation

    http://1drv.ms/1lW2kXQ
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    Re: Seminararbeit Themenschwerpunkt Flucht und Asyl

    Beitrag von Nesho am Mo Dez 21, 2015 8:40 pm


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