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Soziale Arbeit BB


    9. Fernlehre

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    birgsi

    Anzahl der Beiträge : 7
    Anmeldedatum : 22.09.15

    9. Fernlehre

    Beitrag von birgsi am Fr Mai 27, 2016 5:33 pm

    Alternative 1:
    Sehen Sie die Delikte des Besonderen Teils durch und fassen Sie diese in einer überblicksmäßigen Einteilung zusammen - insbesondere nach den für Sie interessanten Aspekten!!
    Aus sozialarbeiterischer Sicht für mich interessante Aspekte:
    1. Abschnitt: Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben (§ 75 – 95)
    § 75 Mord, § 76 Totschlag, § 77 Tötung auf Verlangen: vorsätzliche Tötung, bei der Opfer getötet werden will, § 78 Mitwirkung am Selbstmord, § 79 Tötung eines Kindes bei der Geburt, § 80 fahrlässige Tötung, § 81 grob fahrlässige Tötung (auch § 6), § 82 Aussetzung, § 83 Körperverletzung (oder an der Gesundheit schädigt), § 84 Schwere Körperverletzung (§ 84 – 87 Qualifikationen des Delikts Körperverletzung, § 88 fahrlässige Körperverletzung, § 91 Raufhandel, Quälen und Vernachlässigen unmündiger, junger oder wehrloser Personen: Verletzung von Fürsorge- und Obhutspflichten, § 94 Im Stichlassen eines Verletzten: Pflicht zur Hilfeleistung, § 95 Unterlassung der Hilfeleistung
    2. Abschnitt: Schwangerschaftsabbruch (§ 96 – 98)
    § 96 Strafbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs, auch mit Einwilligung der Schwangeren, oder erwerbsmäßig, oder wenn kein Arzt, oder wenn Schwangere selbst vornimmt.
    § 97 Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs: wenn innerhalb der ersten 3 Monate nach Beginn der Schwangerschaft mit vorhergehender ärztlicher Beratung von einem Arzt durchgeführt wird (Fristenlösung), Abs. 1 Z 2 medizinische Indikatoren für Schwangere, Kind, Unmündigkeit der werdenden Mutter; Abs. 1 Z 3: Notstandsklausel, Abs. 2 Gewissensklausel, Abs. 3 Diskriminierungsverbot, § 98 Schwangerschaftsabbruch ohne Einwilligung der Schwangeren
    3. Abschnitt: Delikte gegen die Freiheit (§ 99-110)
    § 99 Freiheitsentziehung, § 104 Sklaverei, § 104 Menschenhandel, §105 Nötigung, § 106 Schwere Nötigung, §106 a Zwangsheirat, § 107 Gefährliche Drohung und 107a Beharrliche Verfolgung (Anti-Stalking-Gesetz – Offizialdelikt), § 108 Täuschung, § 109 Hausfriedensbruch
    4. Abschnitt Strafbare Handlungen gegen die Ehre
    § 111 Üble Nachrede, § 115 Beleidigung
    5. Abschnitt: Verletzungen der Privatsphäre und bestimmter Berufsgeheimnisse
    6. Abschnitt: Strafbare Handlungen gegen fremdes Vermögen §125-168b)
    § 125 Sachbeschädigung, § 126 Schwere Sachbeschädigung, § 127 Diebstahl, § 128 Schwerer Diebstahl, § 131 Räuberischer Diebstahl, § 142 Raub, § 143 Schwerer Raub, § 144 Erpressung, § 145 Schwere Erpressung, § 146 Betrug, § 147 Schwerer Betrug, § 153 Untreue, § 162 Vollstreckungsvereitlung, § 164 Hehlerei
    7. Abschnitt: Gemeingefährliche strafbare Handlungen und strafbare Handlungen gegen die Umwelt
    § 169 Brandstiftung
    9. Abschnitt: Strafbare Handlungen gegen Ehe und Familie (§ 192-200) Alle!
    10. Abschnitt: Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung (§ 201 – 220 b)  Alle!!!

    3.
    Lenka, 16, verletzt bei einer Spritztour am Moped alkoholisiert ihre Schwester Lucie (Variante: Lucie stirbt).
    Folgen für Lenka? Ist hier eine Diversion möglich?
    Bei Verletzung: § 88 StGB Fahrlässige Körperverletzung, auch ist zu überprüfen, wie schwer die Verletzung ist (§ 84 Schwere Körperverletzung), bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. Hier gilt die halbe Obergrenze. Diversion ist möglich. (§ 7 JGG). Eventuell auch Absehen von Strafverfolgung (§ 6 JGG).
    Mit Todesfolge: Grob fahrlässige Tötung § 81 StGB, bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe, da sie aber unter 21 Jahre ist, gilt die halbe Obergrenze und die Untergrenze entfällt. Auch hier ist Diversion anzudenken, weil jugendlich (gilt als Ausnahme) und Lucie eine nahe Angehörige ist (Schwester) (§ 7 JGG, Abs. 2, 2)

    4.
    Erklären Sie kurz (ein paar Zeilen) in eigenen Worten, was Sinn und Zweck von diversionellen Maßnahmen sein kann und welche Maßnahmen es gibt. Stellen Sie die diese ein wenig in ihren Inhalten dar!
    Sich mit der Tat und deren Folgen auseinandersetzen; was es bedeutet, Leid und Schaden einer anderen Person zuzufügen, Auswirkungen auf deren Leben, also eine Bewusstwerdung, aber auch die eigenen Beweggründe zu analysieren und die Folgen einer Strafe im Leben im Falle einer Verurteilung, falls keine Diversion möglich wäre, also Strafvollzug, aufklären darüber, welche Perspektiven man hat mit Strafen, was es bedeutet in puncto Wohnen, Beruf, Persönlichkeitsentwicklung. Auch um eine Veränderung des Verhaltens herbeizuführen und präventiv Strafhandlungen zu vermeiden, da man weniger rückfällig wird, wenn man sich damit auseinandersetzt.
    Maßnahmen:
    - Zahlung eines Geldbetrags (§ 200 StPO): Durch Zahlung eines festgesetzten Geldbetrags an den Bund kann ein Verfahren endgültig eingestellt werden, die Verfahrenseinstellung kann auch davon abhängig gemacht werden, dass zusätzlich der/die Beschuldigte binnen längstens 6 Monaten zusätzlich den aus der Tat entstanden Schaden wieder gutmacht (Schadenersatz). Die Höhe orientiert sich an der voraussichtlichen Höhe einer Geldstrafe, die im Rahmen eines Schuldspruchs verhängt wäre, aber nicht höher als der Betrag, der  180 Tagessätze plus Verfahrenskosten entspräche. Zahlung binnen 14 Tagen.
    > Erbringung gemeinnütziger Leistungen (§§ 201,202 StPO): Verfahren kann eingestellt werden, wenn der/die Beschuldigte sich bereit erklärt, für längstens 6 Monate unentgeltlich gemeinnützige Leistungen zu erbringen: Bei Erwachsenen 8 Stunden am Tag (40 Stunden/Woche), Jugendliche 6 Stunden am Tag (20 Stunden / Woche und gesamt 120 Stunden), zusätzlich kann Schadenersatz verlangt werden. Der Eingriff in die Lebensführung der Beschuldigten soll nur so stark sein, wie dies zu Wahrung der geschädigten Interessen und der Präventionszwecke erforderlich ist und darf nicht unzumutbar sein. Förderung der sozialen Kompetenzen, meist in karitativen Einrichtungen.
    > Bestimmung einer Probezeit (§ 203 StPO), mit allfälligen Pflichten (Weisungen) bzw. Bewährungshilfe: Verfahren kann vorläufig eingestellt werden für die Dauer einer Probezeit von 1 bis zu 2 Jahren. Es kann entweder Probezeit oder zusätzlich Bewährungshilfe angeordnet werden, zudem in Form von Weisungen Pflichten auferlegt werden (z. B. Sozialtraining). Das Verfahren ist endgültig einzustellen, wenn keine Straftaten in der Probezeit begangen wurden, ggf. der Kontakt zur Bewährungshilfe aufrecht war, Pflichten erfüllt wurden. Bewährungshelfer_innen haben dem Gericht oder Staatsanwaltschaft über ihre Tätigkeit und Wahrnehmungen zu berichten, obwohl sie im Interesse ihrer Klient_innen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.
    > Tatausgleich (§ 204 StPO) Ziel: Schadenswiedergutmachung bzw. Tatfolgenausgleich. Das Zustandekommen bei Erwachsenen ist nur mit Zustimmung des Geschädigten möglich. Findet in Form einer Mediation (Konfliktregler_innen) statt, im Verein Neustart, zuerst ein Gespräch mit dem/der Beschuldigten und mit dem Opfer über Ablauf, Wesen, Folgen. Opfer bekommen so die Möglichkeit über ihre Bedürfnisse und Erwartungen zu sprechen, werden über Opferschutzeinrichtungen informiert, Beiziehen einer Vertrauensperson, in einem geschützten begleiteten Rahmen, Schadenswiedergutmachung samt Übernahme allfälliger Verpflichtungen sowie zukünftiger Umgang miteinander. Die erzielten Vereinbarungen werden schriftlich festgehalten, Konfliktregler_innen berichten über Vereinbarungen und Erfüllung dem Gericht und Staatsanwaltschaft (trotz Verschwiegenheitspflicht). Kommt es zu einer Einigung, wird das Strafverfahren eingestellt, wenn nicht, dann wird Verfahren fortgeführt.
    Trotzdem stell ich es mir schwierig vor bei häuslicher Gewalt, wenn Mann Frau schlägt, welche Wiedergutmachung? (Nicht-Verprügeln ist ja keine Wiedergutmachung) und schwierig bei Überprüfung der Einhaltung, z. B. wenn Frau bedroht, eingeschüchtert wird.


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      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Do Dez 14, 2017 3:22 am